2.Kampftag: RV Thalheim - SV Luftfahrt 21:13
Hier wächst was zusammen
Das Bundesligateam verliert zwar den Kampf gegen einen stark aufgestellten RV Thalheim, zeigte aber eine formidable Einstellung und damit richtungweisenden Entwicklungswillen.
Sven Cammin (55kg FR) legte mit einer technischen Überlegenheit einen guten Eröffnungskampf hin. Er agierte gegen den Jugendlichen Benjamin Opitz sehr konsequent. Sven zeigte allerdings auch Feingefühl und Weitblick dahin gehend, dass er es vermied dieses junge Ringertalent aus dem Erzgebirge vorzuführen und zu zerstören – 4:0 Überlegenheit (7:0/6:0/6:1) – Stand 4:0.
Einen ansehnlichen fünf Rundenkampf auf Biegen und
Brechen lieferten sich Ricardo Melz (120kg GR) und
David Vala. In den ersten beiden Runde erwies sich Ricardo als effektiv und
nutzte seine erarbeiteten Vorteile. In den restlichen Runden bewies der
Tscheche in Thalheimer Diensten seine taktische Cleverness, indem er seine
optischen Vorteile im Standkampf zur Sicherung des Aktivitätsvorteils nutzte.
Vala lies im Bodenkampf keine Angriffsattacken von Ricardo mehr zu. Ricardo tut
dem Team richtig gut: Einsatzwillen, Kampfgeist und Teamplay. Er selbst
resümiert: „Mir macht das Ringen wieder richtig Spaß!“ – 2:3 Rundenniederlage
(1:0/2:0/0:1/0:1/0:1) – Stand 6:3.
„Wer ist das denn?“ war einige Male im Vorfeld des Kampfes zu hören. Er – Norbert Pal (60kg GR) – ein kleiner, ruhiger und unscheinbarer junger Kerl warf beim Gastgeber und bei spontan angereisten Luftfahrtfans einige Fragezeichen auf, zumal sein Datenblatt bei der Sportlervorstellung ebenfalls weiß blieb und somit viele Fragen unbeantwortet blieben. Sein Gegner Thomas Berger, mittlerweile fast 40Jahre alt, bewies, dass er immer noch brandgefährlich, verbissen und energisch ist. Norbert war bei seinem Luftfahrtdebüt erstklassig auf seinen Gegner eingestellt und vorbereitet. In allen Situationen erwies sich der 22jährige Ungar als abgeklärt: Im Standkampf nutzte er seine Chance zu Wertungspunkten, in der Bodenoberlage agierte er technisch stark und in der Bodenunterlage verteidigte er souverän – 3:0 Rundensieg (3:0/1:0/3:0) – Stand 9:3.
Ein völlig verwandelter Marcel Redmann (96kg FR) präsentierte sich gegen den Ex-Luftfahrt Radoslaw Dublinowski. Nach dem miserablen Auftritt der Vorwoche war die Befürchtung berechtigt, dass er wiederholt eine Packung einstecken muss, aber weit gefehlt. Taktisch und vor allen Dingen psychologisch zeigte sich Marcel sich von seiner besten Seite. Runde eins wurde erst im Clinch entschieden. In Runde zwei war er nach gutem Kampf mit 0:1 unterlegen. In Runde drei erarbeitete sich Marcel sogar eine Führung, bevor er sich dem Powerplay seines Gegners beugen musste. Marcel wurde zu Recht mit anerkennendem Beifall in der Ecke abgeklatscht – weiter so Marcel! – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:1/1:4) – Stand 9:6.
Rafal Statkiewicz (66kg FR) braucht noch etwas Zeit… Zeit, die er bekommen wird. Er ist nach absolvierter Junioren EM und WM noch nicht ganz wieder auf Level. Seine Bewegungseskapaden sind alle samt sehenswert. Er zeigt damit, dass er keine Situation als verloren ansieht. Ihm war es vergönnt gegen den abgeklärten Wojciech Sadowski irgendwann mal den Punkt zu setzen. Das Team und die Mannschaftsleitung sind von ihm absolut überzeugt, gerade auch wegen seiner offenen und sehr kommunikativen Art – 0:3 Rundenniederlage (0:2/0:1/0:2) – Pausenstand 9:9.
Luftfahrtrückkehrer Tom Linke (84kg GR) hatte sich viel vorgenommen gegen den Tschechen Petr Novak,
aber seine absolut entschuldbare Aufregung machte ihm einen Strich durch die
Rechnung. In Runde eins lies er sich sprichwörtlich Überrumpeln. Im zweiten
Kampfdurchgang stellte er sich gut auf seinen Gegner ein: Im Stand brannte
nichts mehr an, im Bodenkampf stabil. Die aus Luftfahrtsicht unglückliche
Entscheidung des ansonsten absolut souveränen und fehlerfreien Kampfleiters Martin
Franke auf Beinarbeit gegen Tom zu entscheiden, war schon sehr unglücklich.
Auch in Runde drei eine komplizierte Situation am Mattenrand, wo Tom leider den
Kürzeren zog. Auch wenn es letztendlich nichts mit einem Rundengewinn wurde,
Tom ist zurück und das ist gut so. Irgendwie war es so, als wenn er nie weg war
– 0:3 Rundenniederlage (0:4/0:2/0:1) –Stand 9:12.
Einen ganz engen Kampfverlauf erlebte Bakar Achmerzaev (66kg GR) gegen den Lokalmatadoren Tobias Löffler. In den ersten beiden Runden hatte Bakar das Zepter ganz fest in der Hand - jeweils Aktivitätsvorteil. In Runde eins gelang es ihm nicht als Obermann zu punkten, danach wählte er die Unterlage und sicherte sich mit einem guten Abwehrverhalten den Rundengewinn. Eine Unaufmerksamkeit in Runde drei brachte den einzigen technischen Wertungspunkt für den Thalheimer. In Runde vier wurde deutlich, dass es Bakar einfach an 3-4kg Körpermaße fehlt, um auch einfach mal eine Rolle durchzubolzen. Die Fitness stimmt bei Bakar, den Gewichtsnachteil sollte Bakar nach Beendigung des Fastenmonats aufgeholt haben – 1:3 Rundenniederlage (0:1/1:0/0:1/0:1) – Stand 9:15.
Als Kämpfer vom Herrn erwies sich der 19jährige Patryk
Dublinowski (84kg FR) gegen den Bronzemedaillengewinner des
diesjährigen Junioren EM Zbigniew Baranowski. Niemals aufgeben, immer vorwärts
marschieren! Er heimste sich ebenfalls viel anerkennenden Beifall ein, zumal er
knapp am Rundengewinn im zweiten Kampfabschnitt vorbei schrammte. Daumen hoch!
– 0:3 Rundenniederlage (0:3/1:1/0:3) – Stand 9:18.
Von wegen Kanonfutter. Lars-Erik Eichler (74kg FR) fügte sich nahtlos an die guten kämpferischen Einstellungen seiner Teamkollegen ein. Er hielt den überlegenen Florian Rau sichtbar in Schach und konnte sich ebenfalls wie schon zum Beispiel Marcel Redmann eine Punkteführung erarbeiten, die er allerdings nicht halten konnte. In Runde drei verfing er sich einer Beinschraube aus der er nicht mehr entrinnen konnte, trotzdem starke Leistung – 0:3 Rundenniederlage (0:2/1:2/0:6) – Stand 9:21.
Für ein abschließendes Erfolgserlebnis sorgte Neuzugang Martin Szabo (74kg GR). Obwohl der Mannschaftskampf schon verloren war, begnügte er sich nicht mit einem taktischen „runter ringen“, sondern gab Vollgas. Dreimal Aktivitätsvorteil, dreimal wählte der die Oberlage, dreimal technisch brillante Ausheber und Überwürfe. Sein Gegner Kevin Mehlhorn erwies sich in der Abwehrarbeit als echter Brocken, ihm gelang es Martins Überwürfe nur zur Einserwertung zu relativieren. Auch neben der Matte ist Martin eine sehr positive Erscheinung, an dem wir noch viel Freude haben werden – 3:0 Rundensieg (1:0/2:0/1:0) – Endstand 13:21.
Obwohl die ersten Punkte in Sachen Klassenerhalt - nicht wirklich überraschend - flöten gegangen sind, herrscht alles andere als Nervosität und Trübseeligkeit – ganz im Gegenteil es herrscht Ruhe und Gelassenheit. Maßgeblich dafür ist, dass die Mannschaft in Sachen Einstellung und Teamplay, im Vergleich zur Vorsaison schon jetzt einen gehörigen Schritt nach vorne gemacht hat. Sie hat es gelernt, dass auch scheinbar verlorene Kämpfe bis zur letzten Sekunde ausgerungen werden. Für jeden individuell betrachtet, bringt das Jeden ein Stück weiter!
Mit dieser Prämisse werden jetzt auch die nahezu aussichtslosen Kämpfe gegen Burghausen und Aalen bestritten, bevor dann im Oktober aber auch gepunktet werden muss!







