3.KT: SV Luftfahrt - Wacker Burghausen 12:25

Gute Kampfmoral, bravouröse Einstellung

Der Tabellenführer SV Wacker Burghausen zu Gast in Berlin. Eine wahrscheinlich klare Angelegenheit für die Bayern, dennoch stemmte sich das Luftfahrtteam gegen die absehbare Niederlage. Sinnbild dafür war, das erst nach dem 7. Kampf die Führung zu Gunsten des favorisierten Gastes wechselte.

Norbert PalSven Cammin (55kg FR) hatte alle Hände voll zu tun, um das Abwehrbollwerk in Person von Csongor Knipli zu brechen. Mit bewegungsintensiven und geübten Freistiltechniken beförderte Sven seinen Kontrahenten immer wieder in die Bodenlage. Dort erwies sich der Ungar als sehr stabil und verhinderte so die Überlegenheit. Stellvertretend für die ganze Mannschaft signalisierte Sven von der ersten Sekunde den absoluten Kampfeswillen – 3:0 Rundensieg (2:0/4:1/4:0) – Stand 3:0.

Kampflos blieb an diesem Abend Ricardo Melz (120kg GR). Schade für ihn, denn auch war richtig heiß – 4:0 kampflos – Stand 7:0.

Norbert Pal (60kg GR) bekam zu spüren, dass mit allen Mitteln in der 1.Bundesliga gekämpft wird, dazu zählen auch taktische Ferkeleien und Provokationen. In Runde eins bekam er dies deutlich vorgeführt. Sein Gegner Andreas Maier verhinderte mit unkorrekter Bankstellung das wohlmöglich erfolgreiche Fassen von Norbert in der Bodenoberlage. An solche Spitzfindigkeiten wird sich Norbert gewöhnen müssen, auch dass „Beinarbeit“ ein sehr auslegungsempfindlicher Begriff ist. Sein Kontrahent war auch in Runde zwei und drei einfach „dreckiger“. Lerneffekt! – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:5/0:2) – Stand 7:3.

Ein kämpferisches Ausrufungszeichen zeigte Marcel Redmann (96kg FR), der an seinen guten Auftritt letzte Woche anknüpfte und sich mit Anton Losowik eine spannende 5-Runden-Schlacht lieferte. Die ersten drei Kampfrunden gingen alle in den Clinch, wo nach jeweils zerrenden 2 Kampfminuten erst in der dritten Runde Marcels Gegner die erste technische Wertung des gesamten Kampfes überhaupt setzte. In Runde vier luchste Marcel nach gut 40Sekunden Powerplay seinem Gegner die Verwarnungseins ab. In Runde fünf dann Nervenkitzel pur bei der Clinchausführung… Marcel blieb provozierend cool, sein Gegner nicht und bekam zu Recht die zweite Verwarnung. Sieg für Marcel mit toller Moral! – 3:2 Rundensieg (0:1/1:0/0:1/1:0/1:0) – Stand 10:5.

Auch William Stier (66kg FR) wird es diese Saison noch packen, davon sind alle überzeugt. Alles fing gegen Martin Maier auch recht positiv an für Willi. Anfänglich im Clinch unterlegen und in Runde zwei sogar die toll herausgearbeitete Führung für den Berliner Youngster. Ab diesem Punkt setzte Willis Gegner seine überlegene Physis konsequent ein und lies ihm mit harten Bodenrollen keine Chance, womit sich sogar noch die Überlegenheitssieg für den Wackeraner einstellte – 0:4 (0:1/1:7/0:6) – Pausenstand 10:9.

Marcel RedmannWer hätte das gedacht, dass das Team mit einer Führung in die Pause geht. Der Stimmung in der Halle tat dass gut und den Kämpfern der zweiten Kampfhälfte bekamen die Bestätigung: Es wird kein Zentimeter Matte hergeschenkt, auch wenn der Gegner von der Konstellation her jetzt übermächtig erschien…

Tom Linke (84kg GR) setzte die Marschroute gegen den normaler Weise überlegenen Eugen Ponomartschuk in Taten um und sorgte dafür, dass ordentlich Nervosität in der Gästeecke aufkam, was mit zwei gelben Karten für die Gäste quittiert wurde – Hallenwart Albert Brettschneider wirkte dabei beruhigend auf die Gemühter ein. In einer beinharten Abwehrschlacht im Bodenkampf sicherte sich Tom den viel umjubelten Rundengewinn. Tom, Obermann in Runde zwei, bearbeitete seinen Gegner so intensiv, dass er sich nur mit Beinarbeit erwehren konnte – Rundesieg Nummer 2 für Tom. Ab Runde vier wurde es dann sehr ungemütlich. Toms Gegner konnte sich nur mittels zweier knallharter Kopfstöße Respekt verschaffen, die Tom jeweils zusammensacken ließen. Warum hier nicht mit Disqualifikation geahndet wurde, lag ausschließlich an der Gutmütigkeit des Kampfrichters. Der Aufgabe eigentlich sehr nahe, schleifte sich Tom irgendwie doch über die Ziellinie, der moralische Sieger hieß ganz klar Tom! Super Fight, toller Einsatz! – 2:3 Rundenniederlage (1:0/2:0/0:1/0:3/0:1) – Stand 12:12.

Auch Bakar Achmerzaev (66kg GR) stemmte sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Bakar machte es gegen Matthias Maasch richtig gut. Anstatt nur zu verteidigen, probierte Bakar selbst mit Offensivaktionen Akzente zu setzen, was an der ein oder anderen Stelle auch für Punkte hätte sorgen können. Die Entscheidung viel in den Bodenrunden, wo der ausgebuffte Maasch deutlich sein Können demonstrierte, aber ein 4er gegen Bakar war in ganz weiter Ferne – 0:3 Rundenniederlage (0:2/0:2/0:1) – Stand 12:15. Mit diesem Sieg hatten Burghausen endlich geschafft nach sieben Kämpfen die Führung zu übernehmen.

Patryk DublinowskiEin respektlosen Auftritt legte Patryk Dublinowski (84kg FR) gegen den starken Bulgaren Miroslav Geschev hin. Der Clinch in Runde eins entschied zu Gunsten des Bulgaren. In Runde zwei und drei beschäftigte der erst 19jährige Patryk seinen Gegner so intensiv, dass für ihn kaum ein durchkommen war. Jeweils kurz vor Rundenende musste sich Patryk dennoch geschlagen geben. Ein erfrischender und respektloser Auftritt! – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:1/0:1) – Stand 12:18.

Lars-Erik Eichler (74kg FR) schloss nahtlos an, auch wenn der Gegner Nikolay Kurtev hieß. Lars lies sich auch erst im Clinch der ersten Runde besiegen, was dem hoch dekorierten Bulgaren gar nicht schmeckte. Lars verteidigte bravourös in Runde zwei und lies sich in keiner Situation wirklich austricksen. Mit schwindenden Kräften im letzten Kampfdurchgang musste Lars im Bodenkampf allerdings mehr Punkte abgeben als gewollt – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:1/0:6) – Stand 12:25.

David Ignatius (74kg GR) wollte als finaler Ringer im Bunde, den überaus guten Kampf des Teams mit einer eigenen guten Leistung unterstreichen. Untröstlich verließ er noch in der ersten Bodensituation die Matte mit einer Schulterniederlage im Gepäck gegen Mykola Daragan. „So etwas passiert halt David. Kopf hoch, Mund abwischen und weiter geht’s“ – 0:4 Schulterniederlage (0:2) – Endstand 12:25.

Das Team ist absolut auf dem richtigen Weg, es hat verstanden wie man solche Kämpfe bestreiten muss – ein großer Fortschritt. Klasse weiter so! Es ist auch kein Wehmutstropfen, dass im nächsten Kampf mit dem KSV Aalen die Messlatte noch ein Stück höher hängen wird. 

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