6. Kampftag: SV Luftfahrt - AC Lichtenfels 23:17

Niedergekämpft!

War der Überraschungserfolg gegen den KSV Aalen eine Eintagsfliege? Die Punkte gegen Aalen wären nur etwas Wert, wenn sie mit einem Sieg am Doppelkampftag bestätigt werden konnten. Dieser Sachverhalt wurde der Mannschaft eindeutig klar gemacht, womit vor diesem Heimkampf alle Ringer wieder Bodenhaftung hatten. Gegen die Nordbayern vom AC Lichtenfels entwickelte sich ein enges Duell. Unser Bundesligateam erwies sich in entscheidenden Situationen bissiger, dies zeigte sich besonders darin, dass nur eine zu Null Niederlage zugelassen wurde.

Sven Cammin (55kg FR) hatte den 4er schon an der Waage in der Tasche, da sein Gegner Johannes Lurz mit Übergewicht abgewogen wurde. Sven wollte sich damit aber nicht zufrieden geben. Für drei Runden und einige Minuten Kampfzeit konnte sich Sven sich der mentalen Belastung entledigen, die ihn das ganze Wochenende beschäftigte. Er punktete seinen Gegner aus und schulterte ihn letztendlich - 4:0 Übergewicht (5:1/6:0/3:0) – Stand 4:0.

Nach überstandener Operation nahm Ricardo Melz (120kg GR) wieder seinen Platz in der Mannschaft ein. Gegen den Bulgaren Miloslav Metodiev war es ein wahrhaftiges Schwergewichtsmatch, denn beide Sportler brachten mehr als 120kg auf die Waage. In Runde eins gab Ricardo eine Rolle ab und in Runde zwei wurde sein Bodenansatz ziemlich kleinlich abgepfiffen. Aber das Aufbäumen von Ricardo kam. Erst hielt er in der dritten Runde in der Bodenlage erfolgreich gegen, um in Runde vier per Konter zum Rundenausgleich zu kommen. In der entscheidenden fünften Runde wählte Ricardo nochmals die Bodenunterlage, wo er sich sehr sicher fühlte und schlussendlich erfolgreich gegen hielt – 3:2 Rundensieg (0:2/0:1/1:0/2:0/1:0) – Stand 7:2.

Norbert Pal (60kg GR) holte eine wichtige Runde für das Team gegen Radostin Shindov. Er rollte im zweiten Kampfdurchgang erfolgreich seinen Gegner. Norbert ist in seinem ersten Ligajahr und gleich in der Eliteliga, für ihn ist jeder Kampf ein Erfahrungszuwachs, zumal er in einer sehr „komplizierten“ Kategorie startet. Technisch kann er eigentlich alles was notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Mit ihm kann man sehr gut zusammenarbeiten, seine Zeit wird kommen. – 1:3 Rundenniederlage (0:1/2:0/0:2/0:2) – Stand 8:5.

Bei seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum hatte es Radek Baran (96kg FR) mit dem überaus guten und abgezockten Ligaringer Steffen Hartan zu tun. Für den SV Luftfahrt ein Duell mit Schlüsselkampfcharakter. Anfangs musste sich Radek einem Konter des Lichtenfelsers beugen, womit die erste Runde verloren ging. Danach war Radek gut auf seinen Gegner eingestellt und lies keine Punktverluste mehr zu. Er verlies sich nicht darauf eine durchaus gefährliche 1:0 Führung taktisch zu verwalten, sondern erarbeitete sich Wertung um Wertung, um sich somit einen Puffer aufzubauen. Für das Publikum eine sehr attraktive Kampfweise – 3:1 Rundensieg (0:2/1:0/6:0/2:0) – Stand 11:6.

Ein sehr enges und intensives Match lieferten sich Rafal Statkiewicz (66kg FR) und Simon Pilzweger. Beide Akteure reizten ihr Angriffs- und Abwehrverhalten bei ihren jeweiligen Beinattacken bis an die Grenze des Möglichen aus, um an Wertungen zu kommen. Nicht zu beneiden war in diesen komplizierten Situationen der Unparteiische, der die richtigen Entscheidungen treffen musste. Aus Luftfahrtsicht war seine Punktevergabe nicht immer die Treffende. Rafal zog hier leider zu oft den Kürzeren, gerade auch weil für man sich hier für einen möglichen Gesamterfolg zwingend mehr ausgerechnet hatte – 1:3 Rundenniederlage (2:3/2:0/1:2/0:1) – Pausentand 12:9.

Nach der Pause sollte es für das Bundesligateam ganz schwer werden. Mindestens einer unserer Ringer musste ein Überraschungsmoment setzen.

Mirco Redmann (84kg GR) ist nach Verletzung aus dem ersten Kampf wieder an Bord. Mirco zog gegen Artur Omarov die verabredete Taktik durch. Er holte in den ersten beiden Runden den Aktivitätsvorteil, konnte in den Bodenrunden aber keine Wertung erzielen. Alles lief auf ein taktisches 0:1 hinaus. In der dritten Runde war Mirco einen klitze kleinen Moment unaufmerksam, als der Tscheche in Diensten des AC Lichtenfels Mirco in arge Bedrängnis brachte. Mirco blieb nur die Chance zum Wurf, der etwas umstritten gekontert wurde. Taktisch guter Kampf von Mirco, aber Schade! – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:1/0:7) – Stand 12:12.

An diesem Samstagabend war es Bakar Achmerzaev (66kg GR) der 1. den erhofften Überraschungsmoment setzte, 2. die beiden psychologisch wichtigsten Runden des Abends holte und damit 3. das Team damit wieder auf die Siegerstraße brachte. Den als Überlegen eingeschätzten Bulgare Rumen Savchev konnte Bakar zwei Runden lang nicht nur in Schach halten, sondern auch Wertungen abnehmen. In der ersten Runde konterte Bakar klasse die Rolle des Bulgaren. Im zweiten Kampfdurchgang war Bakar in der angeordneten Bodenlage Obermann und luchste seinem heftig agierenden Gegner die Verwarnung wegen Beinarbeit ab. In Runde drei ging Bakar gleich zu Anfang in Führung konnte aber dem Powerplay des Bulgaren nicht dauerhaft widerstehen. Der Teamleitung waren die zwei gewonnenen Runden so wichtig, dass diese Bakar nur noch taktisch sichern sollte – 2:3 Rundenniederlage (3:0/2:0/1:1/0:1/0:2) – Stand 14:15.

Unsere Teamleitung hat mit der Kaderplanung 2011 auf mehr Flexibilität gesetzt, die uns noch in der Vorsaison fehlte. In Aalen ersetzte Marcin Olejniczak erfolgreich den nach OP noch nicht ganz fitten Ricardo Melz. An diesem Samstagabend ersetzte Patryk Dublinowski (84kg FR) den angeschlagenen Marcel Redmann. Auch diese Ersatzmöglichkeit hatte ihren, nicht unbedingt zu erwartenden, Erfolg. Patryks Gegner Christoph Meixner erwies sich als brandgefährlicher Mattenrandspezialist. In Runde eins tappte Patryk in diese Fall und wurde am Mattenrand gekontert, danach war er taktisch gut eingestellt. Ein kämpferisches Highlight setzte Patryk in Runde drei, als er 10 Sekunden vor Schluss in Rückstand geriet und innerhalb von 4 Sekunden wieder ausglich. Das Publikum begleitete  ihn mit frenetischem Applaus in die Ecke. Im entscheidenden vierten Durchgang konnte sich der Lichtenfelser nicht mehr richtig mobilisieren. Patryk konnte sicher die erarbeitete Führung über die Zeit bringen. Toller Erfolg für Patryk, Spitzenleistung vom 19jährigen! – 3:1 Rundensieg (0:1/2:0/2:1/1:0) – Stand 17:16.

„Er ist endlich wieder da“ war aus dem weiten Rund zu vernehmen. Adam Sobieraj (74kg FR) wurde sehnsüchtig vom Heimpublikum erwartet. Sein Gegner hieß wie im Vorjahr Sergej Siscov, was einen spannenden Kampf versprach. Im ersten Kampfdurchgang glich Adam fast schon selenruhig 10 Sekunden vor Ende zum Rundengewinn aus. Die zweite Runde ging per Zwiegriff an den Lichtenfelser. Nach gewonnener dritten Runde für Adam, folgte ein technischer Leckerbissen vom Feinsten in Runde vier: Adam lag eigentlich aussichtslos 0:2 zurück, als er kurz vor Schluss in einer Mischung aus „Beinfeger-Einsteiger-Abrecher“ seinen Gegner mit einer viel umjubelten Dreierwertung düpierte – Gänsehaut und formidabler Jubel! – 3:1 Rundensieg (1:1/0:1/3:0/3:2) – Stand 20:17.

Martin Szabo (74kg GR) hatte alle Trümpfe gegen Tobias Schütz in der Hand. Martin wählte erfolgreich die Offensivvariante. Punktebringender Ausheber in der ersten Runde. Erfolgreiche Bodenabwehr im zweiten Durchgang. Ausheber und abschließende Fünferwertung in Runde drei. Ganz souveräner Auftritt!  – 3:0 Rundensieg (1:0/1:0/5:0) – Endstand 23:17.       

 

Nach einem langen und intensiven Match hieß der Sieger SV Luftfahrt. Gerade in den verlorenen Kämpfen, erntet das Team die Früchte, was man sich in den Mannschaftskämpfen vor der WM angeeignet hat: Kämpfen, niemals Aufgeben, jede Runde ist wichtig. Das Ergebnis: 4 wichtige „Verliererrunden“.