6. KT: RC Germania Potsdam - SV Luftfahrt II 13:25

Nichts zu verschenken

Kämpfe gegen den RC Germania Potsdam sind immer etwas besonderes, dieses Kredo herrschte auch dieses Jahr. Der Gastgeber aus Potsdam kämpft um den sofortigen Wiederaufstieg in die 2.Bundesliga und hoffte dabei auf Schützenhilfe unseres Teams. Unser Regionalligateam nahm den Kampf gegen den Städtenachbar dennoch ernst, zumal mit Niklas Ohff und Florian Görsch zwei gesetzte Sportler ersetzt werden mussten, dass wusste auch der Gastgeber. Anscheinend hat er aber nicht mit der Kreativität unseres Team gerechnet, denn es waren die ersten beiden Kämpfe die ausschlaggebend für den Gesamterfolg waren.

Mit dem Ligadebüt des 14jährigen Johnny Rossbach (55kg FR) gegen Tobias Groß hatten die Gastgeber gar nicht gerechnet und noch weniger damit, dass Johnny einen lupenreinen 4er hinzaubert. Trotz einiger berechtigter Nervosität bestimmte Johnny das Geschehen auf der Matte. Er agierte sehr konzentriert und sammelte Punkt für Punkt. In Runde drei setzte er mit dem Schultersieg das „i“-Tüpfelchen auf seinen hervorragenden Einstand. Ein 4er fürs Team – lange Gesichter beim RC Germania – 4:0 Schultersieg (5:1/3:0/4:0) – Stand 4:0.

Eine Gewichtsklasse, wo unser Regionalligateam ebenfalls notorische Besetzungsprobleme hat, ist das Schwergewicht. Die Teamleitung wollte unbedingt diese Klasse besetzen, da hier ein Sieg sehr realistisch wäre. Da einmal im Jahr Muhammet Yücel (120kg GR) für die Mannschaft parat steht und er sofort einwilligte, war diese Lücke gefüllt. Alternativ stand Marcin Olejniczak Gewehr bei Fuß, bei dessen Einsatz wären allerdings „Beschwerden“ ja durchaus berechtigt gewesen. Muhammet bestimmte den Kampf aufgrund seiner körperlichen Masse gegenüber Karsten Pikulla. Mit Kraftaktionen in Stand- und Bodenkampf lies er nichts anbrennen. Mit dem zwei 4ern aus beiden „Problemgewichtsklassen“ biegt das Team auf die Siegerstraße ein – 4:0 Überlegenheit (5:0/6:0/8:1) – Stand 8:0.

Henning Wahl (60kg GR) kann es momentan im Ligakampf einfach nicht umsetzen. Im Training funktioniert alles, er ist dort mit der Fleißigste und Engagierteste, aber sobald es aus der Trainingshalle raus geht, funktioniert nichts mehr – reine Kopfsache!? Hennings Stärke ist der Standkampf. Er konnte aber seine Aktivität nicht deutlich genug gegen Lucas Bast unter Beweis stellen. Im Bodenkampf musste er sich in allen drei Runden der Rolle des Frankfurters beugen. „Kopf hoch Henning, dass kriegen wir auch wieder gelötet.“ – 0:3 Rundenniederlage (0:2/0:2/0:3) – Stand 8:3.

„Mister Zuverlässig“ Pawel Szwenk (96kg FR) ging angeschlagen in das Match gegen Oliver Diller. Er konnte dank seines guten taktischen Überblicks die Zähler für sein Team einfahren. Nur Runde drei ging im Clinch an den Potsdamer Kämpfer – 3:1 (1:0/1:0/0:1/1:0) – Stand 11:4.

Einen fantastischen Kampf lieferte William Stier (66kg FR) gegen den Potsdamer Mannschaftskapitän und Routinier Heiko Gensicke ab. Willi hielt seinen Gegner ständig in Bewegung und konnte so effektive Angriffe verhindern bzw. selbst aktiv punkten. Besonders in Kontersituationen erwies sich Willi als äußerst stabil und abgeklärt. An den Minen der Gastgeber war deutlich anzusehen, dass sie sich diesen Kampf anders vorgestellt hatten, zumal man einen William Stier schon lange nicht mehr unterschätzen sollte – 3:0 Rundensieg (4:0/3:1/3:1) – Pausenstand 14:4.

Der SV Luftfahrt hat aktuell zwei einsatzfähige klassische Mittelgewichtler Mirco Redmann und Tom Linke (84kg GR). Da das Team in Potsdam feste Siegabsichten hatte, war auch klar, dass an einem Doppelkampftag nun mal der Eine die Bundesliga ringt und der Andere sich in der Regionalliga dem Georgier Mikheil Tsetskhladse stellt. Tom hatte zudem keinen sonderlich guten Tag, die ersten beiden Runden liefen an ihm völlig vorbei – ungeahnte Schwächen im Bodenverhalten. Ab Runde drei erwachte Tom aus seinen Träumen und fing an das Feld von hinten aufzurollen. In Runde drei bewies er, dass er doch im Boden standhalten kann. In Runde vier und fünf, war sein Gegner konditionell Scheintod und Tom hatte es sehr leicht ihn auszupunkten – 4:2 Überlegenheit (0:1/0:2/1:0/7:0/7:0) – Stand 18:6.

Einen kämpferisch starken Auftritt legt Kevin Thalau (66kg GR) hin. Gegen den Grecospezialisten Brian Tewes wurde unserem Teamkapitän eigentlich die Chancenlosigkeit attestiert, aber nichts dem war. Kevin stellte sich ab der zweiten Runde sehr gut auf seinen Gegner ein und lies nur noch einen technischen Punkt zu. In Runde drei holte er sogar den Aktivitätsvorteil, wollte aber im Boden nicht zu viel riskieren, denn er hatte sein Kampfziel erfüllt. Ab hier war deutlich zu sehen, dass die Hausherren moralisch gebrochen waren – 0:3 Rundenniederlage (0:3/0:1/0:1) – Stand 18:9.

Ganz langsam geht es bei Marcel Redmann (84kg FR) wieder aufwärts. Er hat seine Verletzung aus dem September noch nicht völlig auskuriert, die ihn in vielen Situationen noch einschränkt. Unglücklich war dann auch noch der Kampfverlauf gegen Fabian Albrecht. Bei der Abwehr der Einserwertung in Runde eins und drei kann noch nicht effektiv genug gegenhalten. Runde zwei sicherte er mit einer guten Kopfschleuder. Runde vier war schwer zu beurteilen für den Unparteiischen. Marcel konterte wieder mit einer Kopfschleuder, die aber diesmal für den Potsdam ausgelegt wurde. Ärgerlich, aber ist so! – 1:3 Rundenniederlage (0:1/4:0/0:2/0:2) – Stand 19:12.

Eine sehr abgezockten Kampf lieferte Lars-Erik Eichler (74kg FR) gegen Martin Eiseler ab. Lars konnte nun endlich mal wieder in seiner Gewichtsklasse antreten, was zu Unverständnis bei den Gastgebern führte, was in der Nachbetrachtung ja auch plausibel erscheint, denn an diesem Tag hätte durchaus auch Artem Grinko oder Norman Brennert gereicht, um die Zähler einzufahren. Ganz klare Fehleinschätzung unserer Teamleitung, die diesen Gegner schlichtweg überschätzt hat. Routinierter Kampf von Lars, kopfschütteln bei der Reaktion der Gastgeber – 3:0 Rundensieg (1:1/1:0/1:0) – Stand 22:12.

Da Florian Görsch im Trainingslager weilt, gab es nur eine Alternative zu ihm und die hieß David Ignatius (74kg GR). Anstatt den Ungarn Daniel Hlavati stellte der RC Germania Potsdam mit Thomy Kebschull in diese Gewichtsklasse. David hatte das Geschehen auf der Matte im Griff, er holte zumindest den Aktivitätsvorteil und rollte als Bodenobermann erfolgreich. Das Können seines Gegners blitzte in Runde drei auf, als er mit einem starken Abklemmer David kontern konnte. Unterm Strich aber ein guter und effektiver Auftritt von David – 3:1 Rundensieg (2:0/2:0/0:3/3:0) – Endstand 25:13.

Unsere Mannschaft siegte verdient bei den Germanen aus Potsdam, die akzeptieren müssen, dass das Gewinnen über die eigene Mannschaftsstärke geht und nicht mögliche Gastgeschenke. Wer sich einen Aufstieg durch Desinteresse der Gegner am Siegen erhofft, schlafwandelt ziemlich konzeptlos durch die Liga.