9. KT: SV Untergriesbach - SV Luftfahrt 19:19

Punkt gerettet!

Zum letzten Kampf der Hinrunde reiste unser Bundesligateam am Sonntag zum bayrischen Aufsteiger SV Untergriesbach. Die Mannschaft befand sich in einem denkbar schlechten gesundheitlichen Zustand. Ein Großteil der Mannschaft war von grippalen Infekt oder Erkältung geplagt. Einigen ging es so miserabel, dass die Teamleitung selbst die Absage der jeweiligen Sportler akzeptiert hätte, aber keinem kam allein nur der Gedanke daran, alle wollten gemeinsam einen Sieg einfahren. Auch der strapaziöse Tagesablauf hatte es in sich, was der Eine oder Andere weniger gut weg steckte. Für Einige klingelte der Wecker bereits um 4uhr morgens und sahen ihr Bett auch erst um 2Uhr des nächsten Tages wieder.

Sven Cammin (55kg FR) konnte an der direkten Kampfvorbereitung die Woche über nicht teilnehmen, da er seine Erkältung einfach nicht los werden konnte. Dementsprechend quälte er sich gegen Marco Lenz wahrsten Sinne des Wortes. Sven war von eisernen Willen und seiner Verantwortung gegenüber der Mannschaft angetrieben. Er erkämpfte mit blassem Gesicht den 4er, sportlicher Glanz spielte dabei überhaupt keine Rolle. Gequält aber gewonnen! – 4:0 Überlegenheit (4:2/6:0/6:0) – Stand 4:0.

Überhaupt nicht auf der Höhe war Ricardo Melz (120kg GR) gegen den Ungarn Balint Lam. Ricardo brach mit der zweiten Runde konditionell komplett ein und hatte keine Körner mehr. Er konnte nicht mal mehr ansatzweise gegenhalten. Obwohl dieser Kampf von Ricardo völlig aus dem Rahmen fällt, hat er aber - in der nun abgeschlossenen Hinrunde - gezeigt, dass er eine richtige und wichtige Neuverpflichtung und charakterlich ein Pfundskerl ist – 1:3 Rundenniederlage (1:0/0:1/0:3/0:3) – Stand 5:3.

Nach Ricardos Niederlage lief es allerdings schon nicht mehr nach Plan. Für den Lichtblick sorgte indes Norbert Pal (60kg GR) gegen Christoph Scherr. Nobert war gut auf seinen Gegner, allerdings von vorn herein erstmal auf Schadensbegrenzung, eingestellt. Gleich in der ersten Runde gelang Norbert der nicht erwartete, aber sehr wichtige Rundengewinn und konnte damit Ricardos Niederlage etwas „reparieren“. Gut gemacht! – 1:3 Rundenniederlage (1:0/0:2/0:2/2:2) – Stand 6:6.

Bakar Achmerzaev und Radek Baran (96kg FR) war die Sportler, denen es am „dreckigsten“ ging. Beiden machte ein grippaler Infekt ordentlich zu schaffen. Trotz Fieber, aber ein „Nein“ kam für beide nicht in Frage – Für das Team halt! …das Ende vorne weg: Radek musste von Teamkameraden nach der dritten Runde von der Matte geholfen werden, alleine hätte er es wahrscheinlich nicht mehr in die Ecke geschafft. Zuvor lieferte einen gigantischen Job ab: Er besiegte nicht nur den ungarischen Meister Tamas Fodor, sondern probierte trotz seines spürbar schlechten Zustandes jeden Angriff Richtung Schultersieg zu vollenden, zweimal war er knapp davor, geklappt hat es leider nicht. Hut ab, Respekt – ein Sinnbild für Teamdenken! – 3:0 Rundensieg (1:0/2:0/2:0) – Stand 9:6.

Es folgte der wohl möglich richtungsweisende Kampf für das Gesamtergebnis. Rafal Stakiewicz (66kg FR) hatte sich nach überstandener Krankheit auskuriert, allerdings war er noch nicht wieder auf konditionellen Topniveau. Mehr als drei Runden mit Hundert-Prozent-Power sollten noch nicht gehen. Gerade deshalb war eine optimale Kampfausrichtung und Gegnereinstellung gegen den physisch sehr starken Ungarn Gabor Farkas notwendig. Es fehlten nur sehr wenige Sekunden, dann wäre der Plan  fantastisch aufgegangen. Die ersten beiden Runden gewann Rafal sehr konzentriert, indem er sehr ausgesucht den Wertungspunkt setzte. Die dritte Runde hatte einen entscheidenden Fehler: Rafal konterte (!) seinen Gegner mit einer Zange, die der bis dato absolut fehlerfrei Kampfrichter mit kurioserweise mir 2:2 bewertete. Rafal hielt seinen Gegner lange in der gefährlichen Lage, der Schultersieg wurde allerdings nicht gegeben. Schlimmer noch, denn sein Gegner rappelte sich auf, Rafal drohte übertragen zu werden, also musste er die Fassart lösen. Diese Situation wäre ja normalerweise kein Problem gewesen, wenn es dann nicht plötzlich 3:3 stehen würde und der Gong ertönte. Rafal war untröstlich, mit dem Wissen, dass es jetzt beinhart werden würde. Er ging zwar in Runde vier noch mal in Führung, konnte aber das ungarische Bollwerk nicht lange genug in Schach halten. Der Geist war willig, nur das Fleisch war noch zu schwach – 2:3 Rundenniederlage (1:0/1:0/3:3/2:4/0:4) – Pausenstand 11:9.

Auf Mannschaftskapitän Mirco Redmann (84kg GR) lastete großer Druck, denn er wusste ganz genau, dass er gegen Christoph Bauer nicht patzen durfte. Mirco zeigte absolute Nervenstärke. In Runde eins rollte er seinen Gegner erfolgreich. Sein Gegner versuchte Mirco daraufhin mit unfairen Kopfattacken aus dem Konzept zu bringen, was aber nicht funktionierte, denn Mirco lies sich nicht aus der Ruhe bringen. Er hielt den Kopf halt so lange hin, bis der Kampfrichter mit Verwarnungen eingreifen musste, was jeweils die Vorentscheidung in den Runden zwei und drei bedeutete und Mirco kontrolliert die Runden diktieren konnte – 3:0 Rundensieg (2:0/2:0/3:0) – Stand 14:9.

Wie schon angedeutet Bakar Achmerzaev (66kg GR) war gesundheitlich völlig am Boden, eigentlich gar nicht sporttauglich. Sein Gegner Benedikt Pauli wäre eh schon eine hohe Hürde für Bakar geworden, aber in anbetracht der Umstände, wurde in den Köpfen schon ein 0:4 kalkuliert. Keine Ahnung woher Bakar die Energie nahm, denn es war ein absolut formidabler Kampf von ihm. Der Rundengewinn in Runde drei war technisch toll erarbeitet und immens wichtig. Auch bei ihm war eher der Wille, der ihn in seinem Fall zum Rundengewinn trieb. Im wahrsten Sinne des Wortes hat er sich für die Mannschaft ausgekotzt – 1:3 Rundenniederlage (0:4/0:2/1:0/0:1) – Stand 15:12.

Die schwerste Aufgabe hatte Patryk Dublinowski (84kg FR) gegen den Bronzemedaillenträger der diesjährigen Europameisterschaften von Dortmund Gabor Hatos zu bewältigen. Patryk hatte den Auftrag keinen 4er abzugeben und zeigte dabei eine kämpferische Meisterleistung. Runde eins endete kurz vor Ende mit der Einserwertung für den Ungarn – wäre es beim 0:0 geblieben, hätte Patryk sogar fassen dürfen. In Runde zwei auch nur ein 0:1 gegen unseren 19jährigen. In der letzten Runde musste Patryk dem hohen Tempo etwas Dribut zollen. Aufgabe mit einem deutlichen Ausrufezeichen super erfüllt – 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:1/0:3) – Stand 15:15.

Wie so viele im Team kränkelte auch Adam Sobieraj (74kg FR) so vor sich hin. Er fühlte sich schwach, kraft- und saftlos, trotzdem sollten eigentlich Rundengewinne drin sein, aber nichts dem. Wenn man schon nicht drauf ist, kommt halt auch noch Pech dazu. Erste Runde geht im Clinch an seinen Gegner Sandor Töszer. Auch Runde zwei geht es in den Clinch, hier schien es, als wenn sich beide Sportler neutralisieren konnten, was den Rundensieg für Adam bedeutet hätte. Kurz vor Schluss wurde Adam dennoch zum kontern gezwungen, was allerdings äußerst umstritten für den Ungarn gewertet wurde. Fassungslosigkeit bei Adam. In Runde drei war dann der Riemen bei Adam endgültig runter, er ging zwar in Führung, aber nichts ging mehr bei ihm – platt und fix und fertig. Obwohl mit Adam eine unserer Bänke geplatzt ist, es ist ihm zuzugestehen, denn wie oft hat Adam schon fürs Team die Kohlen aus dem Feuer geholt… - 0:3 Rundenniederlage (0:1/0:2/1:3) – Stand 15:18.

Die letzten sieben Jahre mal zurückblickend und egal welche Liga: An dieser Stelle waren mit diesem Ergebnis eigentlich die Punktkämpfe entschieden, denn im letzten entscheidenden Kampf im klassischen Stil einen 4er raus ringen, war uns eigentlich immer vergönnt geblieben.

Mit Martin Szabo (74kg GR) hat das Team jetzt einen, der aber genau das kann! Martin wusste ganz genau, auf was es jetzt ankommt - sein Gegner Andreas Buchetmann allerdings auch. Der Untergriesbacher wehrte sich mit allen Mitteln und Möglichkeiten. Die erste Runde endete demnach auch nur mit 1:0 für Martin. Das eh schon hohe Risiko musste noch mehr gesteigert werde. In Runde zwei zog Martin eine fantastischen Armdrehschwung, konnte aber seinen Gegner nicht deutlich genug dabei auf den Schultern fixieren – Rundensieg 7:0. Noch eine Runde und drei Wertungspunkte mussten her. In Runde drei ging Martin schnell mit 1:0 in Führung, kam aber nicht weiter vorwärts ihm Standkampf. Die Bodenrunde musste entscheiden, was mit einer glasklaren Fehlentscheidung, gelber Karte und Tumulten auf der Matte endete: Martin hob seinen Gegner, setzte zum finalen Wurf an, sein Gegner hakelte ein, zog Martin das Standbein weg, wodurch Martin zu Boden stürzte. Der ansonsten gute Kampfrichter stand genau daneben und gab trotzdem die Zweierwertung für Rot. Eine skandalöse und nicht begreifbare Entscheidung, zumal sich Martin bei der Aktion noch verletzte und behandelt werden musste. Spätestens dieses Indiz hätte final der Beweis sein für Beinarbeit sein müssen, denn Martin kann 1. werfen und 2. hat er ein gutes Bewegungsgefühl, sonst passiert so etwas nicht. Randnotiz: Die gelbe Karte gab es für den gegnerischen Trainer, der auf Simulation von Martin reklamierte… (grübeln und mal nachgedacht…). Runde vier musste her, um wenigstens das Unentschieden zu retten. Martin hatte Wut und viel Aggressionen im Blut. Der sonst so ruhige und filigrane Techniker holte mal richtig die Keule raus, holte die wichtigen vier Punkte, siegte und sicherte die Punkteteilung – 4:1 Überlegenheit (1:0/7:0/1:2/4:0) – Endstand 19:19.

Noch vor Jahresfrist wäre solch ein Ligakampf unter diesen Rahmenbedingungen mit Pauken und Trompeten verloren gegangen. Nicht aber so diese Saison. Hier hat sich eine Truppe zusammengerauft, in der alle an einem Strang ziehen. Jeder ist bereit für den anderen in die Breche zu springen, wenn es mal nicht so läuft. Jeder ist bereit, auch wenn es weh tut und schmerzt, in den roten Bereich zu gehen.

Ganz realistisch betrachtet muss mit Sicherheit eine hundert Prozent fitte Truppe als Sieger gegen den Aufsteiger von der Matte gehen.

Da es am kommenden Wochenende zum Rückrundenauftakt beim 1.Luckenwalder SC eh nur um die goldene Ananas geht, haben viele Luftfahrtringer eine Verschnaufpause verordnet bekommen, damit Krankheiten auskuriert und die Akkus wieder aufgeladen werden können. Richtig ernst wird es wieder am 29.10. wo der RV Thalheim in der Berlin empfangen wird.

Begrüßen tut der Verein, wie auch viele andere Teams, die Ankündigung vom DRB 2012 keine Doppelkampftage bzw. Sonntagskämpfe mehr austragen zu lassen. Die Belastung für Sportler, Trainer und Betreuer ist immens hoch und übersteigt alldieweil Grenzbereiche. Allein Sonntag war das Team 21Stunden am Stück unterwegs. Die Kraftfahrer saßen gut 16Stunden und 1.550km aufm „Bock“, nur weil Montag alle wieder ihrem geregelten Leben nachgehen mussten. Samstag ist so etwas kein Problem, da dann Übernachtung oder Bustransfer geplant werden kann. Ringen ist nun mal beim SV Luftfahrt Amateursport, egal ob Deutscher, Pole oder Ungar. Alle mussten Montag entweder ihrer Arbeit nachgehen, in der Schule oder Uni erscheinen oder dem Armeedienst nachgehen.